„Sag amal, liest eigentlich niemand deine Beiträge?“, fragte
mich meine Freundin und treue Leserin Viki kürzlich. Nach dem letzten Eintrag
hatte ich dieses Gefühl auch. Alle bewunderten die
tollen Bilder von derTeeparty, aber
niemand beachtete mein Gejammer über das ekligste Ungeziefer
nach Kakerlaken: Mehlmilben. Doch da kann ich helfen ;)
So. Jetzt wissen es wirklich alle. Ich hatte Mehlmilben in
meiner Küche. Die sehen aus wie graubrauner Staub und sind winzig klein,
deshalb muss man genau hinschauen. Doch wenn man sie erst einmal entdeckt hat,
dann sieht man sie überall – es ist wie eine optische Täuschung, weil sich jede
Staubfluse zu bewegen scheint (und sie bewegt sich wirklich. Mit Hilfe von
unzähligen Beinpaaren.) Aber jetzt ist alles anders, denn die Krabbler in
meiner Küche sind dahingemetzelt. Es war ein Massaker sondergleichen, das sag
ich euch! Um der Plage Herr (oder Herrin?) zu werden, habe ich mit üblen Waffen
gekämpft und auch vor Schlägen unter die milbische Gürtellinie nicht zurückgeschreckt.
Jetzt im Detail und für alle, denen der Kampf noch
bevorsteht (ich selbst hab mir die Finger wundgegoogelt): Ganz zu Beginn des Kampfes habe ich alles - und ich meine alles,
siehe
diese Fotos als Beweis, wie viel da herumstand - aus der Küche ausgeräumt
und akribisch
alle befallenen Lebensmittel aussortiert bzw. weggeschmissen. Am
schlimmsten befallen war übrigens das Süßigkeitenregal – mitgebrachte, nicht
luftdicht verschlossene Kekse aus Japan waren der Herd des Übels…Aber auch
offene Flaschen (mein selbstangesetzter Vanilleextrakt, diverse Liköre etc. waren
innen und außen befallen, die Viecher kommen wirklich durch die kleinsten Ritzen, Lücken und überall rein. Genau schauen lohnt
sich also!)
Das, was nur äußerlich befallen war, wanderte in den
Tiefkühler, denn frostige Minusgrade mag kaum ein Tierchen. Danach musste all
das Geschirr in den Geschirrspüler, da die Biester auch dort
herumkrabbelten. (Hier stellte ich fest, dass ich verdammt viel Geschirr und
anderes Zeug in meiner Küche lagere und mein Minigeschirrspüler für solche
Aktionen viel zu klein ist, denn die Waschaktion dauerte ungelogen TAGE. Der weltbeste Freund stieß sich mehr als einmal die Zehen bei Töpfen, Tellern und Tassen im Schlafzimmer an. Sein Fluchen war wahrscheinlich bis auf die Straße zu hören.)
Anschließend
räumte ich das Geschirr in andere Räume und begann Gift in die Schränke zu
versprühen. Ein Milbenspray vom Tierarzt, einst für die Meerschweinchen
gekauft, leistete gute Dienste, verschaffte mir allerdings einen gehörigen
Brummschädel, als ich an Tag 1 ohne zu lüften kiloweise Insektizide in die Luft
blies und natürlich gleich wieder einatmete. Tjaaa, die Packungsaufschrift zu
lesen, bevor man sich selbst beinahe umbringt, wäre von Vorteil gewesen! Und später musste ich außerdem feststellen, dass man das Zeug sowieso nicht in Lebensmittelnähe verwenden soll. Hm.
Nachdem ich die Prozedur noch zwei Tage wiederholte, diesmal
aber bei geöffnetem Fenster, und der Milbenbefall weniger wurde – es krabbelten
nur noch einige sehr hartnäckige Exemplare – kam Teil Zwei des
Ausrottungsplans. Nachdem ich alle Schränke sehr gründlich gesäubert hatte,
wurden ein elektrischer Luftentfeuchter und ein Hygrometer angeschafft. Milben
mögen es nämlich feucht und warm und wenn man kocht, hat es genau diese
Voraussetzungen in der Küche. (Bei mir kommt die Küche bei einer mittelmäßigen
Kochaktion auf über 60% Luftfeuchtigkeit, perfekte Brutbedingungen für meine
achtbeinigen Freunde ;)) Nun drosselten der weltbeste Freund und ich die
Luftfeuchtigkeit für fast eine Woche auf ungemütliche 40%. Davon kriegt man
Halskratzen und trockene Augen, wenn man ein Mensch ist.
Ist man allerdings eine Milbe, bedeutet so eine
Luftfeuchtigkeit den baldigen Exitus.
Der Luftentfeuchter holte über Tage literweise Wasser aus
der Luft. Wir saßen röchelnd und hustend beim kargen Frühstück in der Küche. Ich glaubte, die Spinnentierchen kreischend sterben zu hören. Welch Befriedigung.
Der letzte Teil des Krieges war ein Stellungskrieg und zog
sich über zwei Wochen. Zuerst kam Mutter spross mit einem Sammelsurium an
chemischen Helferleins und half mir an einem schönen Samstag, die Küche bis auf
den letzten Brösel zu säubern. Wir haben Schränke, Geräte und Tische verrückt (
sowie Dinge gesehen), doch dann war alles blitzsauber – und ich meine sauber, so
sauber war es in der Küche wahrscheinlich nur beim Einzug. Die Lebensmittel,
die ich nun langsam wieder aus dem Tiefkühler holte, wanderten in
luftdicht
verschließbare Boxen. Viel war es nicht – ich hatte fast alles verloren, und so
gab es wenig spannende Küche von Salat bis Suppe und wieder retour. Alles, was an
Lebensmitteln neu ins Haus kam und für Milben interessant sein konnte, musste
zuerst einen Tag in den Tiefkühler, sofern es gefriergeeignet war. Ich putzte die
Regale dreimal täglich mit Essigreiniger sowie Desinfektionsmittel.
Nun,
nach unzähligen Wochen des Krieges, habe ich die Küche
wieder für mich. Die Schränke sind wieder gefüllt, aber die Vorräte allesamt
gut verpackt und sichtbar geschrumpft. So viel Zeug kommt mir nicht mehr ins Haus, das steht fest! Die Milbeninvasion ist also vorerst zurückgeschlagen. Offen etwas ins
Regal zu stellen werde ich mich so schnell nicht wieder trauen, denn da sind ja
auch noch die sogenannten
Dauernymphen…
Erzählt mir von eurem schlimmsten Schädlingsbefall!
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