19.10.2014

VERSTREUTES: Erwachsen werden

Erschlagen von Heften, Informationen und Terminen war ich in den letzten Wochen auf Tauchstation, denn ich hab jetzt einen Job. Und damit meine ich nicht einen Sommerjob, einen Nebenjob oder einen Sonstwasjob, sondern einen richtigen, echten. Nach dem Abschluss meines Studiums bin ich jetzt AHS-Lehrerin für Deutsch und Englisch in Graz und finde es ganz großartig. Unterrichten bereitet mir eine Riesenfreude, und die Arbeit mit zwei richtigen Schulklassen ist jeden Tag spannend und herausfordernd.
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Auch wenn der Einstieg ins Lehrerdasein bedeutete, dass ich mir ganz viel neue Kleidung anschaffen musste ;)
Aber ich muss eines zugeben: Auch wenn ich nur 6 Stunden die Woche zum In-der-Klasse-Stehen eingeteilt bin, die Umstellung von Studenten- auf Erwachsenenmodus ist nicht leicht. Ich muss auch gestehen, dass mich manches wirklich ziemlich, ähm, geflasht hat.

Geld zu verdienen, zum Beispiel. Dankenswerterweise haben mir meine Eltern das Studium finanziert und mir immer wieder bei finanziellen Engpässen unter die Arme gegriffen. Da ich nun aber richtig echt wirklich (!!!) jedes Monat Geld auf mein Konto überwiesen bekomme, das ich selbst ehrlich und hart verdient habe, und Teil der arbeitenden Bevölkerung bin, muss ich nun lernen, mit dem auszukommen, was ich zur Verfügung habe. Ich muss nun auch damit leben, dass die Rechnungen am Monatsersten, das Geld aber erst am 15. kommt. Schräg, so abhängig von Terminen zu sein.

Und überhaupt, Termine! Ja, ich hatte auch auf der Uni Kurse, zu denen ich regelmäßig erscheinen musste, und auch in der Schule gabs damals, lang ists her, den Stundenplan. Aber diese Dinge standen in keinem Verhältnis zu dem, was ich in den letzten Wochen erlebt habe und wohl auch in Zukunft erleben werde. Da sind die sechs Unterrichtsstunden, wo ich natürlich pünktlich auf der Matte stehen muss, denn zu spät kommen ist keine Option. Und die Gangaufsichten, Konferenzen, Seminare mit Anwesenheitspflicht auf der pädagogischen Hochschule,  deren Termine sich andauernd ändern, Bandprobe, Treffen mit Freunden – ohne Terminkalender wäre ich absolut aufgeschmissen, weil ich nicht mehr wüsste, was wann wo stattfindet. Früher war ich einfach da oder nicht. Heut MUSS ich da sein. Wenn ich also mein Smartphone samt Google-Kalender nicht dabei habe, werde ich absolut unrund. Meine Anwesenheit ist nämlich plötzlich essentiell! Was mich gleich zum nächsten Punkt bringt...

Ich habe todkranke Meerschweinchen gepflegt, Zimmerpflanzen gezüchtet und wenig talentierte NachhilfeschülerInnen bis zur Matura gebracht, aber niemand hat mich darauf vorbereitet, wie es ist, wenn 20 eifrige Sechstklässler nach einer turbulenten Stunde auf einmal alle ein Mitarbeitsplus wollen oder die Englischklasse verwirrt schaut, weil man es einfach nicht schafft, den Stoff so aufzubereiten und herunterzubrechen, dass ihn auch 14-Jährige verstehen. Die Jahresplanung für beide Klassen ist eine Riesenherausforderung, ich muss Material gestalten, SchülerInnen prüfen und Schularbeiten zusammenstellen. Und auch, wenn ich weiß, dass ich das alles dieses Jahr sicher meistern und gut schaffen werde, ein bisschen flau im Magen ist mir schon, wenn ich an all die Verantwortung denke, die mir da überantwortet wurde. Is ja auch ka Lercherlschaß, wie die Steirer zu sagen pflegen. Aber ich arbeite hart daran, ein respektables Mitglied der Gesellschaft zu werden.

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Wenn da die Dauermüdigkeit nicht wäre. Himmelherrgott, was hab ich geseiert, gesumpert und gesudert, wenn der weltbeste Freund nach einem langen Arbeitstag einfach am Sofa zusammengebrochen ist. „Wieso machen wir so selten was? Warum willst du nie ins Kino gehen? Und weshalb schläfst du immer bei den spannenden Serien ein?“

Well well. Ich bin letztens bei The Strain eingeschlafen. Schaut euch einfach den Trailer an, dann wisst ihr eines: Bei der Serie schläft man nicht ein. Das tut man einfach nicht. Aber wenn man so ermattet und von neuen Eindrücken erschlagen ist, dass man die Augen abends kaum noch offen halten kann, freiwillig um 10 Uhr im Bett liegt und das Licht ausmacht, weiß man eins: Die Zeiten des Die-ganze-Nacht-wach-seins-und-am-nächsten-Morgen-dann-eh-voll-fit-Seins sind vorbei, Baby.

Oh, und die Zeiten von Anime-Bingewatching, stundenlangen Kochsessions unter der Woche und von faulen, unproduktiven Tagen sind es auch. 24 Stunden sind definitiv zu kurz für all die essenziellen Dinge des Lebens, und damit meine ich nicht nur die Vor- und Nachbereitung der Stunden und das Korrigieren von Schülertexten, sondern auch das Pflegen von Sozialkontakten, Hobbies  und Nichtstun. Stefan Raab hat es schon vor Jahren so schön auf den Punkt gebracht: „Wir haben doch keine Zeit!“ Deshalb ist hier grad alles in der Schwebe, auch wenn ich fleißig Fotos mache und koche. Aber ich arbeite dran, wieder mehr Output zu liefern.

Bis dahin wünsch ich euch alles Liebe. Drückt mir die Daumen!

P.S.: Die wunderschönen Fotos hat übrigens mein lieber Freund Peter aka Tastylicious geschossen, damit ich auf der Schulhomepage richtig gut ausschaue. Schaut mal bei ihm vorbei und bewundert, was er sonst so macht – und vergesst nicht, seine FB-Page zu liken! :)

Kommentare:

  1. Herzlich Willkommen in der Berufswelt ;-) Ich wünsche Dir ganz viel Freude weiterhin beim Unterrichten, gewöhn Dich gut ein! Und bald wirst Du gar nichts anderes mehr wollen. Ehrlich: ich denke zwar auch manchmal noch an meine tolle Studienzeit, aber ich liebe mein Arbeitsleben und will nicht mehr zurück :-)

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    1. Danke dir :) Ich glaub auch, dass ich bald sehr selten an das Studium zurückdenken werde. Sein eigener Herr sein ist schon irgendwie schön!

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  2. Herzlichen Glückwunsch zu deinem neuen Lebensabschnitt! :D Bei mir steht meine Bachelor-Arbeit auch kurz bevor und danach fängt bei mir auch der Ernst des Lebens an *seufz* ich bin irgendwie auch aufgergt (hoffentlich endlich geregeltes Einkommen) aber irgendwie will ich auch noch so lange studieren wie's geht! :D ich werde das studentenleben vermissen.

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    1. Ja, studieren ist schon schön, aber das mit dem Gehalt ist auch nicht zu verachten ;)

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  3. Nadja! Das ist so toll, und aufregend!

    Ich bin jetzt auch mit dem Master fertig und "arbeite" – "so richtig". Nicht Vollzeit, aber ohne Polster von Kinderbeihilfe etc. Und das von zuhause aus: ich baue eine Website für eine Schmuckdesignerin. Sie wohnt fünf Stunden entfernt von Edinburgh, drum arbeite ich von daheim aus, muss meine Zeit selber planen, mitschreiben, wann ich was mache... und nebenbei noch Kontakte pflegen und Projekte machen und den Müll runtertragen und Skype-Meetings mit meiner Chefin haben.

    Ich freu mich so für dich, Nadja, und das klingt alles super. Du machst das schon. Und die Fotos sind spitze. Du bist sooooo ERWACHSEN. Nimmst du eine Jausendose mit in die Schule?

    Alles Liebe,
    Tini

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    1. Hey Tini,

      Schön, dass du auch hier bist. Das klingt alles ganz schön stressig, aber auch toll. Was machst du denn jetzt genau? Und wie geht es dir?

      Ja, ich hatte meine Jausendose schon tatsächlich ein paar Mal dabei :) Peter wird sich sicher über das Lob freuen!

      Liebe Grüße
      Nadja

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  4. Hallo Nadja,

    das hört sich echt toll an :) Wohne und studiere ebenfalls in Graz - Lehramt Deutsch und Englisch ;) Bin allerdings erst in den Kinderschuhen oder, naja zumindest kurz vor der Hälfte. Freut mich, dass es dir in der Schule so gut gefällt, ich kann es ehrlich gesagt gar nicht mehr abwarten, bis ich endlich wieder Praktikum machen kann und/oder sogar selbst meine eigene Klasse unterrichten darf :)

    Liebe Grüße,
    Tanja
    tonscha.blogspot.co.at

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  5. Ich weiß genau wie es dir geht, bei mir wars vor einem jahr genauso. Ist es jetzt zum teil auch noch, aber man gewöhnt sich irgendwie daran. Ich sitz übrigens auch gerade im bett, so viel also zu "um zehn wirds licht abgeschaltet".
    Wenn das eine rockt, dann bist das du! In diesem Sinne: gute Nacht :)

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