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02.03.2014

GELESEN: Der Schrecksenmeister

Dies hier hätte gut und gern auch ein Bücherblog werden können – denn ich lese mindestens so gern, wie ich koche. Kochbücher konsumiere ich daher besonders gern (ja, man kann die auch lessen!) und Bücher, die Essensbezug haben, mag ich auch sehr. So wie den Fantasyroman Der Schrecksenmeister von Walter Moers.
Schrecksenmeister 1
Trotz des bunten Covers sicherlich kein Kinderbuch.
Das Buch erzählt in Ansätzen die Novelle 'Spiegel das Kätzchen' von Gottfried Keller nach (von diesem Autor kann ich auch sehr 'Die drei gerechten Kammmacher' empfehlen!). Die Grundstruktur der Geschichte bleibt gleich: Ein halbverhungertes Kätzchen schließt einen Pakt mit einem Hexenmeister, der verspricht, es so lange zu mästen, bis es schlachtreif ist und er durch Auskochen sein Fett gewinnen kann. Das Kätzchen schmiedet einen Plan, um dem sicheren Tod zu entkommen.

Moers baut aber die Geschichte um das Kätzchen Spiegel, das bei ihm ein magisches, der menschlichen Sprache mächtiges Krätzchen namens Echo ist, aus, und fügt ihr allerhand amüsante Szenen und irrsinnige Sprachgebilde hinzu

Schrecksenmeister 2
Und detailreiche Bilder, vom Autor handgezeichnet.
Vor allem die Absätze, in denen das Essen beschrieben wird, das der von Moers umgetaufte Schrecksenmeister Eißpin dem armen Echo serviert, um ihn möglichst schnell fett zu bekommen, sind extrem lustig zu lesen! Dies ist besonders der Fall, wenn man gerne isst und (viel zu) viele Blogs liest. An Schrecksenmeister Eißpin ist durchaus ein Foodblogger verloren gegangen ;) Kleine Kostproben gefällig? Aber gerne doch.

“Ich zeige dir jetzt, wie man Wein verkostet! (…) Wenn aus dir ein Feinschmecker werden soll, musst du auch etwas vom edlen Rebensaft verstehen.” (…) Eißpin nahm das Glas ganz nah an sein Gesicht, kniff das linke Auge zu und starrte mit dem rechten hinein. “Das Auge trinkt mit!”, sagte er. “Ist der Wein rot oder weiß?  Der Kenner kann daraus schließen, ob es sich um einen Rotwein oder einen Weißwein handelt. Faustregel: Ist der wein durchsichtig und von leicht goldener Färbung, dann könnte es sich um einen Weißen handeln. Ist er aber tintig und rot und versperrt dem Auge die Durchsicht, dann hat man es eventuell mit einem Rotwein zu tun. Ist er hingegen rosafarben und klar, dann handelt es sich um einen Rosé – den Zwitter unter den Weinen.” (114f)

Auch schön zu lesen, wie der Schrecksenmeister in seiner Küche werkelt – erinnert mich durchaus an die Akribie mancher Kollegen:

“Echo sah ihn eine Knoblauchzehe filetieren – er arbeitete dabei mit einem Seziermesser und einer Diamantschleiferlupe. Eine Aprikose wurde mit einer Rasierklinge und geschlagener Sahne rasiert, weil ihm der Flaum zu stoppelig war. Einmal war Echo Zeuge, als der Meister ein Fischei unter dem Mikroskop briet, vermittels einer glühenden Nadel.” (106)

Und mein Liebling (als ich die Stelle dem weltbesten Freund vorlesen wollte, musste ich so lachen, dass ich abbrechen musste!):

[Eißpin berichtet über nutzlose Küchengeräte, die sich in jeder Küche ansammeln] “Dies (…) ist das Verlies der sinnlosen Kücheninstrumente. Es gibt ein solches Verlies wohl in jder besser eingerichteten Küche. Ihre Insassen werden darin gehalten wie besonders gefährliche Insassen einer Irrenanstalt. (…) Welcher Koch (…) besitzt nicht ein solches Schnitzgerät, mit dem man ein Radieschen in eine Miniaturrose verwandeln kann? Erworben (…) in einem Augenblick geistiger Umnachtung, in der man sich ein Leben ohne Miniaturrosenschnitzgerät einfach nicht vorstellen konnte. (…) Oder das hier, mit dem man eine Kartoffel in eine fünf Meter lange Spirale aufschneiden kann! Oder hier, eine Quetsche zum Entsaften von Kohlrabis! Oder das hier – eine Pfanne, mit der man viereckige Pfannkuchen backen kann. [Anm.: Ich besitze eine solche.] (…) Nun fragt man sich, warum man diese Geräte nicht einfach auf den Müll schmeißt? (…) Der schnelle Tod auf der Müllhalde wäre zu gnädig. Nein, sie sollen in einem dunklen Verlies schmachten, zu ewiger Untätigkeit verdammt. Nur das ist die einzig gerechte Strafe für eine Kohlrabisaftpresse.” (110)

Haben wir nicht alle solche Küchengeräte? Seid ehrlich!

Ich könnte jetzt noch länger über das Buch weiterschwärmen, aber ich will euch ja nicht alles verraten ;) Esst ihr gerne, mögt Sprachspiele so sehr wie ich und steht auf abgedrehte Fantasy, kann ich den Kauf sehr empfehlen!

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19.09.2012

GELESEN: Der große Bioschmäh



Vor lauter Lesen ist mir schon ganz schwummrig im Kopf. Am ersten Oktober hab ich nämlich meine letzte Prüfung vor der Abschlussprüfung in Englisch, einem meiner beiden späteren Unterrichtsfächer. Und weil ich in Englisch im Gegensatz zu Deutsch ein richtiges Schwammerl bin, leider, muss ich halt jetzt ein Monat lang intensiv hackln, weniger kochen, auf meinem Lesesofa leben und hoffen, dass ich die Prüfungslektüre doch noch irgendwie derlese. Ich bin ganz gut in der Zeit, das muss ich natürlich sagen, weil ich bin die schnellste Leserin der Welt! :D

Und da ich so superschnell lesen kann, hab ich es sogar noch geschafft, nebenher ein anderes Buch zur Entspannung zu lesen. Wenn ich nämlich immer nur amerikanische Modernisten und Transzendentalisten verschlingen und verstehen muss, dann werd ich bald wahnsinnig und zünd irgendwas an. Vorzugsweise den Bücherstapel am Küchentisch.

Die Entspannungslektüre, die sich dann doch irgendwie als nicht so recht entspannend herausgestellt hat, ist das Buch „Der große Bio-Schmäh: Wie uns die Lebensmittelkonzerne an der Nase herumführen“ von Clemens G. Arvay, der bei einer großen österreichischen Biomarke mitgearbeitet hat.


Nun, das Buch beschäftigt sich also mit Bio, ein Thema, das seit kurzem wegen einer neuen Studie ja wieder in aller Munde ist. Auch sonst ist Bio ein Riesenerfolg in Österreich, denn Biolebensmittel finden sich zu akzeptablen Preisen in jedem Supermarkt. Auch arme Studentinnen und ihre weltbesten Freunde kommen so in den Genuss der billigen Biowaren und dürfen sich gut fühlen, wenn sie anstatt konventionellem Käse und Kürbis die Biovariante aufs Förderbandl legen und teilweise gleich doppelt so viel bezahlen. Alles super?

Mitnichten, meint der Autor, und trennt gleich zu Beginn des Buches in Bio-TM und Bio. Bio-TM meint hier das Supermarktbio, das dem Autor so gar nicht gefällt. Er bringt drastische Beispiele aus der Supermarkt-Bio-Landwirtschaft, beschreibt gewaltige Biomonokulturen, die für Supermarktbiogemüse angelegt werden, und schildert auch die üblen Zustände, denen konventionelle Biotiere oft ausgesetzt sind. Gleichzeitig kritisiert er die Biowerbung – vor allem das Ja!Natürlich-Schweinderl(lieb!) und die Zurück zum Ursprung-Werbung als irreführend und verbraucherverwirrend. Öhm, dass das Schweinderl natürlich nicht den ganzen Tag mit dem Bauern auf einem sonnigen Hof herumläuft und dass das Brot der Ursprungsbauern nicht von knorriger Bergbauernhand geknetet wird, war mir schon vorher klar, soweit also im Westen nix Neues.

Dass allerdings die Bergbauernmilch auch aus dem Burgenland stammen darf – höchste Erhebung 884 Meter! – und das Bergbauernbrot vom gleichen Fertigbrothersteller kommt wie all das andere Fertigbrot, das man im Supermarkt kaufen kann, hat mich dann doch etwas erschüttert, zugegeben. Auch die üblen Zustände in der Tierhaltung, auch wenn Bio draufsteht, waren erschreckend, aber auch das hätte ich mir eigentlich denken können. Supermarktbio ist nun einmal ein zu großer Gewinnbringer, als dass man da noch irgendwie auf das Wohl der Tiere schauen könnte – wär ja nicht absatzsteigernd. Besonders erschreckt hat mich das Bio-Huhn, das aus einer Schlüpffabrik aus dem Ausland kommt, in einen dunklen Stall gesperrt wird, meist nicht einmal das Tageslicht erblickt, und dann per Fließband wieder aus dem Leben verschwindet. Gleichzeitig wird uns aber vorgegaukelt, Bio sei so natürlich, toll und gut für die Tiere und die Umwelt – was die Werbung alles zustande bringt, ist schon erstaunlich, denn ich persönlich würde ja schon gerne glauben, es sei alles wunderschön in der Bio-Welt, obwohl sie sich nur marginal von der tatsächlichen konventionellen Landwirtschaft unterscheidet. 

Für Arvay ist der einzig gute Weg der Gang zum Ab-Hof-Verkauf und Bioladen wie z.B. dem Bioladen Matzer in Graz, bei dem ich auch gerne ab und zu einkaufe, wenn mir das Geld grad locker sitzt. Leider geht das nicht jeden Tag, denn die Preise für richtiges Bio sind astronomisch hoch, und Bio-Fleisch könnt ich mir wohl nur einmal im Monat leisten – würd ich es denn essen. So gesehen ist seine Argumentation etwas daneben, denn gäbe es Supermarkt-Bio nicht, könnte ich mir wohl nicht allzu oft Biolebensmittel leisten, und ich denke, dass es vielen nicht so wohlhabenden Menschen gleich ginge. Ob es das Ziel sein kann, Bio wieder zu etwas zu machen, dass sich nur Superreiche Frauen in Jesuslatschen und Jutekleidern leisten können?

Was mir außerdem im Buch abgeht, ist die Tatsache, dass Bio-Lebensmittel, egal ob Supermarkt-Bio oder Bioladen-Bio, immer weniger Pestizide und Düngemittelrückstände enthalten, denn die sind ja in der Biolandwirtschaft verboten. Eigentlich eine coole Sache, nur leider wird dieser Vorteil gar nicht erwähnt, da das Buch sich zu sehr auf die Supermarktbiolüge konzentriert. Will man also über die guten Seiten der Biolebensmittel mehr wissen, dann muss man selbst recherchieren. Allerdings wurde auch in der neuen Studie der Vorteil der Pestizidfreiheit einfach unter den Tisch gekehrt...

Insgesamt fand ich das Buch recht unterhaltsam und auch spannend zu lesen. Manches wusste ich noch nicht, einiges war mir neu, vieles hatte ich mir insgeheim schon gedacht. Für Bio-Esser in Österreich, die etwas hinter die Kulissen der heilen Biowelt schauen wollen, ist es sicherlich empfehlenswert!

Ich werde weiterhin Supermarkt-Bio kaufen, denn für mich ist es bei meinem etwas knappen Budget derzeit unmöglich, vollständig auf "richtiges" Bio umzusteigen. Wie seht ihr das? Bio: Kauf ihr es? Alles super oder eh nur ein Riesenschmäh?

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17.07.2012

GELESEN: Fleisch essen, Tiere lieben


Eigentlich sollte ich ja rund um die Uhr Seminararbeiten schreiben. Das tue ich auch, zumindest vormittags bis 13.00, denn da hat die Bibliothek offen. Am Nachmittag aber entdecke ich die Grazer Stadtbibliotheken. Was für eine Wunderwelt! Gleich ein paar Querstraßen von mir entfernt ist eine der Außenstellen der Bibliothek und obwohl ich schon seit Ewigkeiten einen Ausweis besitze, war ich erst ein paar Mal dort. Bis letzte Woche.

Ein Traum für bibliophile Kochbloggerinnen *_* (Bild stammt von hier)

Hüstelhüstel: Ich hätte auch schon vorher feststellen können, dass es weitaus sinnvoller ist, Bücher auszuleihen, als sie alle bei Amazon zu kaufen, denn a) manche Bücher liest man nur einmal und manche sind auch wirklich schlecht, b) Bücher kosten viel Geld, das man sinnbringend anders ausgeben könnte (neues Gewand wär schön, und Lebensmittel sind auch teuer und sowieso und überhaupt) und c) ist der Bücherregalplatz in einer 56qm-Wohnung eher enden wollend (der weltbeste Freund drohte im Winter sogar damit, im Innenhof ein Buchfreudenfeuer zu veranstalten, um Erdäpfel zu grillen, sollte ich weitere Bücher zu den knapp 800, die sich schon in der Wohnung befinden, hinzufügen).

In meiner Freizeit lese ich vier verschiedene Arten von Büchern – und auch wenn ich Germanistik studiere, sind das keine hochgeistigen Werke: Kinder- und Jugendliteratur steht ganz oben auf der Liste. Dann kommen Mangas und Comics, dann Kochbücher und zum Schluss Ratgeber. Vor allem die zum Thema Essen haben es mir – no na – angetan. Das erste, das ich mir aus der Stadtbibliothek geholt habe, war Fleisch essen, Tiere lieben von Theresa Bäuerlein.

Link zum Originalbild hier

Ich setze mich gerade intensiv (manche würden sagen, exzessiv) mit der veganen Ernährung auseinander. So ganz wird es wohl nie klappen, aber zumindest esse ich seit einiger Zeit kein Fleisch mehr (gut, zu einem Sonnenschweinspeck würd ich wohl nicht nein sagen, aber der kommt ja auch nicht aus einer Tierfabrik), trinke keine Milch (ab und zu eine Kugel Eis), esse kein Joghurt – ich bin also eine Heilige, was das Essen angeht, oder? ;)

Tja, glaubt man der Autorin, dann stimmt das wohl nicht. (Mist!) Ihre Argumente sind einleuchtend: Klar ist es nicht schön, dass Tiere in riesigen Tierfabriken eingesperrt werden, und das ist ihr auch bewusst. Andererseits legt sie überzeugend nahe, dass eine intensive, einen hohen Ertrag bringende Landwirtschaft, wie wir sie heute kennen, ohne Tiere wohl etwas schwierig wäre, schließlich sorgen die mit ihrer Scheiße ihren Exkrementen für Dünger, der die Pflanzen zum Wachsen bringt, wenn man keinen mineralischen Dünger verwenden will, oder wie Biobauern nicht verwenden darf. Vegane intensive Landwirtschaft, also solche, die ganz ohne Tiere auskommt, hängt aber von mineralischen Düngern ab, also Düngern, die aus Erdöl erzeugt werden, und diese mineralischen Dünger schaden in weiterer Folge dem Bodenleben durch potentielle Überdüngung. Der Umweltaspekt (böses Erdöl! Endenwollende Vorräte!) kann natürlich auch nicht außer Acht gelassen werden. 1 Kilo Stickstoffdünger wird immerhin laut Autorin aus 100 Litern Erdöl erzeugt. Irre, aber irgendwoher muss der Dünger ja kommen – und dass er nicht aus dem Nichts entsteht, hätt ich mir ja eigentlich auch denken können.

Nun steht man als (Teilzeit-)Veganerin vor einem Dilemma: Vernichtet man die letzten Erdölvorräte des Planeten für eine tierleidfreie Landwirtschaft, oder nimmt man in Kauf, dass Tiere benutzt werden, um die Pflanzen zu düngen? Schwierige Sache, das alles. Außerdem ist das Erdöl ja irgendwann auch aus und was dann? Beim Lesen wurde ich zugegebenermaßen etwas verzweifelt. Spannenderweise geht die Autorin nicht darauf ein, dass man auch pflanzlichen Dünger verwenden könnte, so wie zum Beispiel manche Biobauern Rasenschnitt oder andere pflanzliche Abfallprodukte einarbeiten. Natürlich ist auch fraglich, ob es genug Pflanzenreste für eine solche Düngung gibt.

Interessant fand ich auch ihre Rechnung, dass Fleisch und verarbeitete Sojaprodukte im Vergleich der Energiebilanz ähnlich schlecht dastehen. Ist eigentlich logisch, wenn man bedenkt, aus was so ein Seitanbratling oder ein Sojaschnitzel besteht und wie es hergestellt wird. Natürlich ist da nichts mehr, wenn aus geschmacksneutralen Ausgangsprodukten ein wohlschmeckendes, fleischähnliches Etwas produziert werden soll. Andererseits gibt es genug Veganer, die selbst kochen, sich natürlich ernähren und von verarbeiteten Produkten so gut es geht die Finger lassen - die werden leider nicht erwähnt, sondern dezent unter den Tisch gekehrt. 

Als Lösung für das Fleisch-Dilemma schlägt die Autorin die Strategie „back to the roots“ vor – sie argumentiert, dass nicht die Fleischesser das Problem sind, sondern dass wir uns an eine Landwirtschaft gewöhnt haben, die einfach Nahrungsmittel nicht nachhaltig produziert. Durch mineralische Dünger werden einfach sehr große Erträge produziert, die man mit anderen Methoden wohl so nicht erreichen könnte. Sie ist daher dafür, dass wieder mehr Wert auf nachhaltige Biolandwirtschaft gelegt wird. Fleischessen ist für sie auch ok, solange die Tiere artgerecht gehalten werden und ihnen nicht zu viel Leid zugefügt wird, d.h sie artgerecht gehalten werden. 

Ich gehe da nicht ganz mit ihr konform – Fleisch aus Tierfabriken, seien sie nun bio oder konventionell, werd ich wohl nicht so bald wieder essen. "Artgerechte Haltung" ist auch nicht das Gelbe vom Ei, denn man sollte auch wissen, dass sogar bei Biohaltung die Lebensbedingungen für Schweine, Rinder und Hühner auch nicht viel besser sind als für konventionelle Tiere. Mit dem Argument, dass man aber weniger Fleisch essen soll, kann ich mich voll und ganz identifizieren. Auch damit, dass man mehr fürs Essen ausgeben soll als neun Prozent (in Deutschland) seines Einkommens – eigentlich verrückt, wenn man bedenkt, wie viel manche für ihr Auto, für Kleidung oder für Urlaube ausgeben, dabei ist man doch, was man isst ;) Das beste Zitat des Buches ist für mich aber folgendes:

Niemand sollte sich deswegen [wegen dem Fleischessen, Anm.] von Schuldgefühlen zerfressen lassen. Das hilft wirklich keiner Sau weiter. Perfektion ist ein Anspruch, der meist das Gegenteil bewirkt. Für den Anfang reicht es, öfter mal die bessere Entscheidung zu treffen. Das Modell Sonntagsbraten ist in den Medien kurz diskutiert worden und trifft das Prinzip genau: Fleisch selten, aber dann als Festmahl. Dann tut es auch nicht weh, dieses Fleisch von anständigen Herstellern zu beziehen. (S. 146).

Auch wenn ich nicht vor habe, in absehbarer Zeit wieder Fleisch zu essen, von mir gibt es eine Leseempfehlung. Natürlich sind alle angeführten Beweise und Beispiele kritisch zu sehen, man sollte z.B. wissen, dass das vielkritisierte Soja fast vollständig in Tiermägen landet, die Kritik der Autorin an den Veganern und Vegetariern ist daher unberechtigt. (Weitere Argumente gegen das Buch findet ihr bei Amazon.) Prinzipiell finde ich die Argumente aber schlüssig und sie regen zum Nachdenken an.

Wer weiß mehr über das Thema und will sein Wissen mit mir teilen? Sind die aufgeführten Argumente schlüssig oder kompletter Bullshit?

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04.10.2011

GELESEN: Eating Animals

Man sollte ja nicht jeden Trend mitmachen, wurde mir gesagt, aber manchmal kommt es anders als man denkt.

Vor dem letzten Urlaub war ich beim Buchhändler meines Vertrauens, um mir Lesestoff für die entspannenden Stunden in der Therme zu besorgen – immer nur herumliegen und -blubbeln ist ja auch fad. Mein Auge fiel auf ein wunderhübsch anzusehendes Buch mit dem klingenden Namen „Eating Animals“. Irgendwo im Hinterkopf hatte ich, dass ich das Ding schon immer mal lesen wollte, und so wanderte es gemeinsam mit einigen anderen ins Einkaufskörbchen.

Zwei Tage später hatte ich es fertig gelesen und zum ersten Mal in meinem Leben war ich an dem Punkt, an dem ich kein Fleisch mehr essen wollte, obwohl es mir gratis angeboten wurde. Die Schilderungen über die Praktiken in Schlachthäusern waren dermaßen grauenhaft, dass mir übel wurde. (Ich gehöre eher zu der Sorte, die das geschriebene Wort schlechter verdaut als visuelle Reize, denn Schlachthausvideos etc. hatten bisher eher weniger Effekt auf mich. Warum eigentlich?) Ins Detail gehen will ich hier nicht, aber sagen wir es mal so: Für schwache Nerven ist das Buch nichts. Ich beschloss also, meinen ohnehin schon sehr vegetarischen Lebensstil noch etwas auszubauen und Fleisch in der Heimküche vorerst, so gut es geht, zu vermeiden. Nicht, dass ich etwas gegen ein gutes Steak einzuwenden hätte – wer mich kennt, weiß das ;) – aber im Moment ist mir wirklich die Lust darauf vergangen. (Da der weltbeste Freund aber findet, dass ein Sonntagsessen ohne Fleisch ein schlechtes Sonntagsessen ist, wird sich der Fleischkonsum im Hause spross wohl nicht ganz aufhören. Noch nicht.)

Einfach ist es nicht, dem Fleisch aus dem Weg zu gehen. Meist bestehen die vegetarischen Gerichte aus zachem Gemüse in Rahmsoße oder totgekochten Kartoffeln, die nicht besonders berauschend schmecken, oder es wird Fisch als Alternative für Vegetarier angeboten. (Ich muss gestehen, dass ich gerade bei Fisch schon ein paar Mal schwach geworden bin.) Gerade am Land hat man es nicht einfach, denn da sind Vegetarier eher deppate Exoten, die zu viel Geld und zu wenig Verstand haben, um das gute Fleisch schätzen zu können. Prinzipiell wird einem als (Pseudo)-Vegetarier gerne diverses Essen verleidet, indem es entweder Rindsuppe, Speckwürfel oder Schinkenstreifen enthält. Die gute SarahSatt hatdazu noch mehr geschrieben.

Der freundliche D., selbst Veganer, dachte sich vor ein paar Tagen wohl, dass er mein nobles Ansinnen unterstützen sollte, und hat mich zum Seitanmachen ins Spektral eingeladen. Seitan ist eine Art Fleischersatz aus Weizenmehl, den ich schon einige Male gegessen hatte, und jedes Mal ganz fasziniert war, dass die Konsistenz des Zeugs beim ersten Mal Hinbeißen so verdächtig Fleisch ähnelt. Natürlich war ich Feuer und Flamme und heute war es dann soweit. Für Interessierte habe ich auch ganz brav alles dokumentiert :)

Prinzipiell ist es so, dass Mehl mit Wasser zu einem pizzateigähnlichen Teig verknetet wird. Anschließend muss der Teig einige Zeit ruhen. Ich war in der Zwischenzeit damit beschäftigt, Fotos zu machen. Das Spektral ist nämlich ein sehr einladender und netter Ort, wo es immer ganz viel gutes veganes Essen und viele Zutaten zu sehen gibt!

Das Gemüse, das man hier oben sehen kann, ist übrigens gedumpstert, d.h. es wurde aus dem Müll gefischt. Soweit ich sehen konnte, war alles ok, aber halt nicht mehr wunderschön anzusehen. Die Tomaten waren aber sehr lecker!

Zurück zum Seitan: Nach der Ruhephase muss der Teig nun in kleine Stücke gerissen und gewaschen werden, um die Stärke aus der Masse zu entfernen. D. und ich haben das in einer Schüssel mit lauwarmen Wasser gemacht, laut meiner Internetrecherche kann man das aber auf die verschiedensten Arten angehen. Hier findet ihr übrigens noch ein sehr nettes Video zur Seitanproduktion. Das Wasser in der Schüssel änderte während des Vorganges seine Farbe von langweiligdurchsichtig zu erschreckendweiß.

+matschmatschmatsch+

Irgendwann sollten die Stücke dann eine gummiähnliche Konsistenz bekommen. Ja, Gummi. 

Hirn mit ohne Ei?

Das Zeug wurde dann wieder zusammengeknetet und in heißem Wasser gekocht. Fertig aus dem Kochwasser gefischt sieht Seitan dann so aus: 

Besonders schick ist der Abdruck vom Topf, der an Tintenfischsaugnäpfe erinnert ;)

Anschließend haben wir es in Stücke geschnitten und mariniert. In der Marinade sind unter anderem passierte Tomaten, Knoblauch, Salz, Pfeffer, gemahlener Kümmel, Thymian, Grillgewürz und... Naja, frei Schnauze halt einfach alles kombiniert. Ich bewundere Menschen, die das können!


D. meinte, ich solle meine Portion bis morgen Mittag in der Soße lassen und dann in der Grillpfanne zubereiten. Dein Wunsch sei mir Befehl, Seitanmaster! Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf das Ergebnis und den Geschmack.


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